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Anwältinnen und ihre Macht über sich selbst

Wer „Macht über sich selbst“ schon hat, muss sie nicht mehr gegen andere ausüben. Echte Macht schließt stets die „Macht über sich selbst“ ein und kann auf Attacken gegen andere, beleidigte Rückzüge oder eingleisige Befehle verzichten.
Sie ebnet Wege, sichert persönliche Kongruenzen und ermöglicht Verlässlichkeit.

Textauszug aus: “Chefsache Anwaltscoaching”

© Johanna Busmann

Vertrauensverlust durch den Blinden Fleck

Die “Macht über mich” als Bestandteil der Persönlichkeit

Diese Art von Macht erinnerte an die milde Gelassenheit eines lebensklugen Großvaters, der in seinem Schaukelstuhl residierte und – hintergründig seinen Enkeln zulächelnd – alle externen Versuche zunichte machte, ihn an irgendwelchen Energieverlusten zu beteiligen.
Sie fördert Mitarbeiter, hebt gute Laune und hilft, Krankheiten zu vermeiden (auch eigene). Sie ersetzt Reaktion durch Aktion.
Bei glücklichen Verläufen fühlte sich diese Persönlichkeitsbildung an wie “Macht über mich selbst”.

Verpönt: Offene Machtmotive

Offenes Machtstreben ist – gerade in Deutschland? – verpönt und bleibt aus rein ideologischen Gründen negativ konnotiert als “Über andere bestimmen”.
Auch Synonyme des Begriffes “Macht” können einem ideologischen Mobbing ausgesetzt sein. Beispielsweise führt das Streben nach “Erfolg” besonders häufig dann zu gemeinschaftlichem Naserümpfen, wenn der Streber weiblich ist, wie im Beispiel von Rechtsanwältin Dr. B.
In diesem Fall gefällt sich der viel zitierte “Durchschnittsbürger” darin, seine selbstgerechte Missgunst an einem sonnigen Sonntagnachmittag im Stadtpark spazieren zu fahren: “Da, siehst du die? Das ist Frau Berger.
“Die ist doch Anwältin, und für ihre Karriere vernachlässigt die ihr Kinder.”

Individuelle Macht-Definitionen

Jedes beliebige Verhalten hat Machtaspekte.
Diese werden gewöhnlich nicht ausgesprochen, nicht eingestanden und manchmal auch nicht (ein-)gesehen; in der Regel stehen gesellschaftliche Glaubenssätze gegen den lockeren Umgang mit eigenem “Machtstreben”.
Macht gehört zu den hochrangigen inneren Werten eines Menschen und tritt – hier am Beispiel von Führungskräften – in zwei Varianten auf:

  • Macht über andere definiert sich durch die Wirkung auf die Umgebung und zeigt sich durch Über- und Unterordnung. Sie kann Furcht, Unsicherheit und Unselbständigkeit zeigen und bewirken.
  • Macht über mich selbst ist ein Synonym für “Selbstmanagement” und hat mit Befehlen oder Überordnung nichts zu tun. Sie bewirkt – auch in der Umgebung – Krisenfestigkeit, Vertrauen und Orientierung durch lockere und anerkannte Führung.

Der Mix macht’s

Erst wenn beide Arten von Macht in einer Person vereint sind, profitieren die Mitarbeiter. Deren Selbständigkeit und Ideen werden gebraucht, gefördert und offensiv angestrebt. Die Führungskraft ist abhängig von der Kooperation der Mitarbeiter, wenn sie gute Ergebnisse erzielen und Arbeitsplätze sichern will.
Die Mitarbeiter sind abhängig von eindeutigen und konsistenten (Alle Vorgesetzten verlangen dasselbe) Anweisungen und Raum für individuelle Kreativität bei der Umsetzung. Ungeübte Führungskräfte müssen zu dieesem Zweck lernen, nur das Ergebnis anzuweisen und NICHT den Weg dorthin.

Macht hat viele Namen

Sobald über eigenen Verhaltensweisen ein Macht-Motiv schwebt, das nicht als unverlangtes Regulativ für andere auftritt, ist die Rede von der berühmten “Macht über sich selbst”.
Jeder Mensch strebt seine persönliche Art von „Macht“ an. Diese individuelle Macht kann z.B. auftreten als

Geltung (im Kollegenkreis)
Selbstbestimmung (im Berufsleben)
Gesundheit (in Verbindung zur Selbstbestimmung)
Autorität (in Führungsfragen der Kanzlei)
Image (im Kollegenkreis)
Geld (auf dem eigenen Konto)
Einfluss (auf Entscheidungen anderer)
Selbstbewusstsein (während eines Auftritts)

Coaching-Übung: Machterhalt als Antrieb

Stellen Sie sich vor: Sie haben Ihren A-Mandanten trotz des laufenden Mandats mit einem Kollegen desselben Rechtsgebiets beim Lunch gesehen.
Um Ihr eigenes Machtgefühl über diese Situation zu halten, werden Sie – ja nach Persönlichkeit, Glaubenssätzen und Denkgewohnheiten – unterschiedliche Dinge tun.
Kreuzen Sie Ihre Lieblingsreaktion an (links): Je nach Typ und Erfahrung werden Sie Ihr Verhalten wieder erkennen:

Buch

Chefsache Anwaltscoaching
Berliner Wissenschafts-Verlag
erscheint am 1. Dezember 2021
E-Book und Hardcover
c.a. 755 Seiten, 89 Euro
(+ Versandkosten NUR bei Versand ins Ausland: 7,95 Euro)

Kapitelübersicht, Leseprobe und Buchbestellung

Autorin

Johanna Busmann, Hamburg
31 Jahre Anwaltstraining, Strategieberatung und Kanzleicoaching – Details

Presse

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