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Selbstmanagement in der Anwaltskanzlei

Wer Selbstmanagement betreibt, manipuliert nur noch sich und nicht mehr andere. Das Verhalten dieser Personen passt zu ihren Werten, zu ihren Zielen und zu ihrer momentanen Rolle.

Textauszug aus: “Chefsache Anwaltscoaching”

© Johanna Busmann

Selbstmanagement in der Anwaltskanzlei

“Nur wenn du weißt, was du tust, kannst du tun, was du willst.”

Moshé Feldenkrais hat mit dieser Erkenntnis weltweit erstrebenswert gemacht, dass jeder seine bis dahin verborgenen Impulse, Fähigkeiten und Fertigkeiten (er-)kennt, achtet und weiter entwickelt.
Wer erstmals in seinem Anwaltsleben nach bewusster Entscheidung drei Stunden netto an den Vortragsfolien für nächsten Dienstag gearbeitet hat, obwohl zwei Mandanten eine subjektiv äußerst schlüssig begründete Drängelei an den Tag legen, ahnt vielleicht, was Feldenkrais sagen wollte.

Durch Selbstgespräche Selbstdisziplin lernen

Selbstmanagement erfordert mehr Disziplin als die finale Vorbereitungsphase eines Hochleistungssportlers auf die Olympischen Spiele. Anfänger im Disziplin-Geschäft arbeiten mit Selbstaffirmationen: Sie machen sich in Selbstgesprächen klar, was sie soeben tun und wozu das gut ist:
“Mit diesen Vortragsfolien erreiche ich Positives für meine eigene Zukunft; die beiden Dränglermandanten dagegen zeigen meinen Fehler in der Vergangenheit auf, ihnen zu wenig deutliche, zeitlich definierte Grenzen gesetzt zu haben. Das ändere ich morgen, nicht heute. Daraus lerne ich wiederum für meine Zukunft: Was durch mich selbst in der nahen Zukunft erreichbar ist, behandle ich vorrangig. Was in der Gegenwart abgearbeitet werden muss und keine A-Aufgabe ist, behandle ich nachrangig. Über beides informiere ich meine Umgebung rechtzeitig und wahrheitsgemäß. Einwänden dagegen begegne ich stets freundlich; ich halte sie für selbstverständlich und für berechtigt – jedenfalls aus der Sicht des anderen.”

Was ist Selbstmanagement?

Durch die geheimnisumwitterte Disziplin Selbstmanagement sind oder werden Individuen kongruent: Ihr Verhalten passt zu ihren Werte, zu ihren Zielen und zu ihrer momentanen Rolle.
Kongruenz bedeutet in der Mathematik Deckungsgleichheit und weist in der Persönlichkeitsstruktur von Selbstmanagern auf unabhängige, gelassene und starke Charaktere hin, die ihre Rollen, Werte, Fähigkeiten und Fertigkeiten kennen und bewusst – auch zum Vorteil ihrer Umgebung – nutzen.
Unrealistische Erwartung an sich selbst, die – auch versehentliche – Beschädigung der Umgebung, das Manövrieren der Kanzlei in die Insolvenz – und mutmaßlich sogar die eine oder andere Krankheit – haben bei jenen Personen überhaupt keine Chance, die Selbstmanagement zur zentralen Lebensdisziplin erheben.

Der Mix macht’s

Erst wenn beide Arten von Macht in einer Person vereint sind, profitieren die Mitarbeiter. Deren Selbständigkeit und Ideen werden gebraucht, gefördert und offensiv angestrebt. Die Führungskraft ist abhängig von der Kooperation der Mitarbeiter, wenn sie gute Ergebnisse erzielen und Arbeitsplätze sichern will.
Die Mitarbeiter sind abhängig von eindeutigen und konsistenten (Alle Vorgesetzten verlangen dasselbe) Anweisungen und Raum für individuelle Kreativität bei der Umsetzung. Ungeübte Führungskräfte müssen zu dieesem Zweck lernen, nur das Ergebnis anzuweisen und NICHT den Weg dorthin.

Macht hat viele Namen

Sobald über eigenen Verhaltensweisen ein Macht-Motiv schwebt, das nicht als unverlangtes Regulativ für andere auftritt, ist die Rede von der berühmten “Macht über sich selbst”.
Jeder Mensch strebt seine persönliche Art von „Macht“ an. Diese individuelle Macht kann z.B. auftreten als

Geltung (im Kollegenkreis)
Selbstbestimmung (im Berufsleben)
Gesundheit (in Verbindung zur Selbstbestimmung)
Autorität (in Führungsfragen der Kanzlei)
Image (im Kollegenkreis)
Geld (auf dem eigenen Konto)
Einfluss (auf Entscheidungen anderer)
Selbstbewusstsein (während eines Auftritts)

Coaching-Übung: Machterhalt als Antrieb

Stellen Sie sich vor: Sie haben Ihren A-Mandanten trotz des laufenden Mandats mit einem Kollegen desselben Rechtsgebiets beim Lunch gesehen.
Um Ihr eigenes Machtgefühl über diese Situation zu halten, werden Sie – ja nach Persönlichkeit, Glaubenssätzen und Denkgewohnheiten – unterschiedliche Dinge tun.
Kreuzen Sie Ihre Lieblingsreaktion an (links): Je nach Typ und Erfahrung werden Sie Ihr Verhalten wieder erkennen:

Buch

Chefsache Anwaltscoaching
Berliner Wissenschafts-Verlag
erscheint am 1. Dezember 2021
E-Book und Hardcover
c.a. 755 Seiten, 89 Euro
(+ Versandkosten NUR bei Versand ins Ausland: 7,95 Euro)

Kapitelübersicht, Leseprobe und Buchbestellung

Autorin

Johanna Busmann, Hamburg
31 Jahre Anwaltstraining, Strategieberatung und Kanzleicoaching – Details

Presse

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